Die Karl Schlecht Stiftung (KSG) ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Aichtal bei Stuttgart, gegründet 1998 vom Ingenieur und Unternehmer Karl Schlecht, dem Gründer des Betonpumpenherstellers Putzmeister. Nach dem Verkauf von Putzmeister an den chinesischen Konzern Sany im Jahr 2012 flossen 99 Prozent des Erlöses in das Stiftungsvermögen, das seitdem rund 500 Millionen Euro beträgt. Die Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und wurde 2023 vom Deutschen Hochschulverband als Wissenschaftsstiftung des Jahres ausgezeichnet.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Vollständiger Name | Karl Schlecht Stiftung (KSG) |
| Gründungsjahr | 1998 |
| Gründer | Karl Schlecht (28.10.1932 bis 21.08.2024) |
| Sitz | Aichtal bei Stuttgart; Büros in Berlin (seit 2013) und München |
| Stiftungskapital | ca. 500 Millionen Euro |
| Jährliche Fördersumme | ca. 7,7 Millionen Euro (2023) |
| Geförderte Projekte | ca. 78 bis 80 pro Jahr |
| Mitarbeitende | 20 |
| Vorstandsvorsitz | Dr. Katrin Schlecht (seit 2022) |
| Kuratoriumsvorsitz | Prof. Dr. Klaus Leisinger (stellvertretend) |
| Aufsichtsbehörde | Regierungspräsidium Stuttgart |
| Förderschwerpunkt | Good Leadership, Ethik, Bildung, Wissenschaft |
Karl Schlecht: Gründer und Stifter
Karl Schlecht wurde am 28. Oktober 1932 geboren. Bereits während seines Ingenieurstudiums baute er 1958 die erste Verputzmaschine, aus der das Unternehmen Putzmeister hervorging. Das Unternehmen wuchs daraufhin zu einem der weltweit führenden Betonpumpen-Hersteller mit 22 Tochtergesellschaften. 1998 übertrug Schlecht 99 Prozent seiner Unternehmensanteile in die neu gegründete Stiftung. Zehn Jahre später, 2008, zog er sich schließlich aus dem operativen Geschäft zurück.
Als Putzmeister 2012 an Sany Heavy Industry verkauft wurde, floss der Erlös laut vertraglicher Vereinbarung zu 99 Prozent in das Stiftungsvermögen. Schlecht richtete die Stiftungsarbeit daraufhin auf den Begriff Good Leadership aus: Führung in Wirtschaft und Gesellschaft durch humanistische Werte verbessern. Prägend dafür waren insbesondere die Ideen des Theologen Hans Küng und des Psychologen Erich Fromm, dessen Werk Schlecht als intellektuellen Ausgangspunkt betrachtete.
Im Mai 2022 übergab Schlecht die operative Leitung an den neu konstituierten Vorstand unter Dr. Katrin Schlecht und zog sich auf die Rolle des Stifters im Kuratorium zurück. Kurz darauf, im April 2023, wurden er und die Stiftung vom Deutschen Hochschulverband mit dem Preis “Wissenschaftsstiftung des Jahres 2023” ausgezeichnet, überreicht bei der Gala der Deutschen Wissenschaft in Berlin. Am 21. August 2024 starb Karl Schlecht schließlich im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit.
- 1958 Erste Verputzmaschine gebaut; Gründung von Putzmeister
- 1998 Gründung der Karl Schlecht Stiftung; 99 % der Putzmeister-Anteile übertragen
- 2008Schlecht zieht sich aus dem operativen Geschäft von Putzmeister zurück
- 2012 Verkauf von Putzmeister an Sany; 99 % des Erlöses fließen in die Stiftung
- 2013 Eröffnung des Berliner Büros am Kurfürstendamm
- Mai 2022 Dr. Katrin Schlecht übernimmt den Vorstandsvorsitz
- April 2023 Auszeichnung als “Wissenschaftsstiftung des Jahres 2023”
- August 2024 Karl Schlecht stirbt im Alter von 91 Jahren
Was die Karl Schlecht Stiftung fördert
Die Stiftung arbeitet vorwiegend fördernd: 20 Mitarbeitende betreuen rund 80 externe Projekte gemeinnütziger Träger und einige eigene Vorhaben gleichzeitig. Dabei lagen die langfristigen Förderzusagen Ende 2021 bei insgesamt 39,2 Millionen Euro. Insgesamt gliedern sich die Themen in fünf Bereiche, wobei Ethik mit 35 Prozent den größten Förderanteil ausmacht.
| Themenbereich | Anteil 2023 | Förderschwerpunkt |
|---|---|---|
| Ethik | 35 % | Ethische Bildung an Schulen, interkultureller Wertedialog, ethische Standards in der Wirtschaft |
| Leadership | 26 % | Persönlichkeitsentwicklung, Führungsforschung, werteorientierte Führungsmethoden |
| Kultur | 18,2 % | Kulturelle Bildung für Schüler, Nachwuchskünstler in Baden-Württemberg und Berlin |
| Entrepreneurship | 11 % | Unternehmerisches Denken in Schulen, Gründerkompetenz bei Jugendlichen |
| Technik / Sonstiges | 9,1 % | Technische Bildung, FILUM Musikschule, Regionales |
Eigene Projekte und geförderte Institutionen
- FILUM, Musikschule Filderstadt: Rund 4.000 Schülerinnen und Schüler, eines der größten musikalisch-künstlerischen Bildungszentren der Region Stuttgart. Seit 2016 von der Stiftung getragen.
- Leadership Excellence Institute Zeppelin (LEIZ): Seit 2012 an der Zeppelin Universität Friedrichshafen mit Mitteln der KSG aufgebaut. Verankert Führungsforschung in der universitären Lehre.
- Weltethos-Institut Tübingen: Seit 2012 gefördert, baut auf Hans Küngs Global-Ethic-Konzept auf. Die Stiftung hatte das Projekt Weltethos bereits ab 1998 bis 2022 direkt unterstützt.
- Erich Fromm Stiftung: 2014 gemeinsam mit Dr. Rainer Funk gegründet. Verankert Fromms humanistische Psychologie in Wissenschaft und Lehre, unter anderem an der IPU Berlin.
- Techucate und Führung + X: Eigene Programme der Stiftung für technische Bildung und Führungskräfteentwicklung.
Auszeichnung: Wissenschaftsstiftung des Jahres 2023 Verliehen von der Deutschen Universitätsstiftung und dem Stifterverband am 3. April 2023 in Berlin, dotiert mit 10.000 Euro. Die Auszeichnung würdigt Stiftungen, die einen nachgewiesenen Beitrag zur Wissenschaft und Bildung leisten.
Förderung beantragen
Die KSG ist in erster Linie eine fördernde Stiftung: Sie finanziert externe Projekte, betreibt jedoch keine Vollförderung beliebiger Vorhaben. Privatpersonen werden grundsätzlich nicht gefördert. Antragsberechtigt sind daher ausschließlich gemeinnützige Träger, deren Projekte einem der fünf Themenbereiche zuzuordnen sind und zum Leitbild Good Leadership passen.
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Wer kann sich bewerben? | Gemeinnützige Organisationen: Vereine, Stiftungen, Hochschulen, Schulen, wissenschaftliche Einrichtungen |
| Was wird gefördert? | Projekte in Ethik, Leadership, Entrepreneurship, Kultureller Bildung oder technischer Bildung mit Bildungs- oder Forschungsbezug |
| Wie wird beantragt? | Über das Online-Antragsportal auf ksg-stiftung.de; vorab empfiehlt die Stiftung eine Vorprüfung der thematischen Passung |
| Wie hoch sind die Fördersummen? | Keine pauschalen Angaben; langfristige Förderzusagen betrugen Ende 2021 insgesamt 39,2 Millionen Euro |
Häufige Fragen zur Karl Schlecht Stiftung
- Fördert die Stiftung auch Projekte außerhalb Deutschlands?
Der Förderfokus liegt auf Deutschland. Allerdings engagiert sich die Stiftung auch für den interkulturellen Dialog mit und in China, etwa über das Weltethos-Institut und die Förderung von Austauschprojekten mit chinesischen Hochschulen.
- Kann man sich als Einzelperson für ein Stipendium bewerben?
Nein. Die KSG fördert ausschließlich gemeinnützige Organisationen und Institutionen, keine Einzelpersonen oder Privatpersonen, unabhängig vom Projektinhalt.
- Führt die Stiftung ihre Arbeit nach dem Tod von Karl Schlecht unverändert fort?
Der operative Vorstand unter Dr. Katrin Schlecht wurde bereits im Mai 2022 eingesetzt, noch zu Lebzeiten des Stifters. Karl Schlecht hatte den Übergang damit bewusst vorbereitet. Zudem ist die inhaltliche Ausrichtung auf Good Leadership in den Stiftungszwecken verankert und bleibt bestehen.
- Veröffentlicht die Stiftung Jahresberichte?
Ja. Die KSG veröffentlicht jährliche Tätigkeitsberichte, die auf der Stiftungswebsite als PDF zum Download bereitstehen. So enthält etwa der Bericht für 2023 detaillierte Aufschlüsselungen der Fördersummen nach Themenbereich.
- Wie lange dauert die Bearbeitung eines Förderantrags?
Die Stiftung macht dazu keine öffentlichen Angaben. Grundsätzlich wird jedoch eine frühzeitige Kontaktaufnahme und Vorprüfung der Projektidee empfohlen, bevor ein formaler Antrag über das Portal eingereicht wird.
Die Karl Schlecht Stiftung verfügt mit 500 Millionen Euro Kapital und rund 80 laufenden Projekten über eine Infrastruktur, die von einem einzelnen Gründer aufgebaut wurde und nach seinem Tod 2024 unter professioneller Leitung weiterarbeitet. Für gemeinnützige Organisationen, die im Bereich Wertebildung, Führungsforschung oder Entrepreneurship Education tätig sind, zählt sie daher zu den relevanten Fördergebern im deutschsprachigen Raum.

