Kaum ein anderer Schauspieler hat die deutsche Fernsehlandschaft der letzten vier Jahrzehnte so geprägt wie Jörg Schüttauf. Vom DDR Fernsehen über den Frankfurter Tatort bis zum aktuellen ZDF Thriller: Seine Karriere liest sich wie ein Stück deutscher Fernsehgeschichte selbst.
Eine Kindheit zwischen Fabrikstadt und Bühnenlicht
Jörg Schüttauf kommt am 26. Dezember 1961 in Karl-Marx-Stadt zur Welt, dem heutigen Chemnitz. Seine Mutter arbeitet als Krankenschwester, der Vater ist gelernter Konditor, verdient sein Geld aber als Heizer. Als Schüttauf elf Jahre alt ist, stirbt der Vater. Zwei Schwestern wachsen mit ihm auf.
Schon mit sechs Jahren steht er zum ersten Mal auf einer Bühne, im Pioniertheater seiner Heimatstadt. Nach der zehnten Klasse folgt zunächst keine Schauspielausbildung, sondern eine Lehre als Bühnentechniker an der Chemnitzer Oper. Danach: Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee.
Erst im Anschluss beginnt der eigentliche Weg zum Beruf. An der Theaterhochschule “Hans Otto” in Leipzig studiert er vier Jahre Schauspiel und schließt 1986 mit Diplom ab.
Der Sprung vor die Kamera: “Ete und Ali” und der Nachwuchspreis
Noch während des Studiums, im Jahr 1984, bekommt Schüttauf seine erste Filmhauptrolle. In Peter Kahanes DEFA Produktion “Ete und Ali” spielt er den Ete. Der Film läuft 1985 an, und für seine Darstellung erhält er 1986 den Nachwuchsschauspielerpreis beim Nationalen Spielfilmfestival der DDR.
Nach dem Diplom geht er für fünf Jahre ans Hans Otto Theater in Potsdam. Parallel dreht er unter anderem “Die Architekten”, einen der letzten DEFA Filme vor der Wende.
Lenz und der Grimme Preis: Der Durchbruch im Westen
Der eigentliche Wendepunkt kommt 1992. Regisseur Egon Günther besetzt Schüttauf in der Titelrolle des Films “Lenz”. Die Rolle bringt ihm den Adolf Grimme Preis ein und macht ihn auch in der alten Bundesrepublik bekannt.
Von 1992 bis 1996 spielt er an der Seite von Klaus Wennemann den Kommissar Thomas Becker in der Krimiserie “Der Fahnder”. Weitere Rollen folgen in:
- Der Landarzt
- Großstadtrevier
- Liebling Kreuzberg
- Polizeiruf 110
Neun Jahre Frankfurter Tatort
Für viele Zuschauer bleibt eine Rolle bis heute die prägendste: der Frankfurter Tatort Kommissar Fritz Dellwo. Von 2002 bis 2010 ermittelt Schüttauf gemeinsam mit Andrea Sawatzki, neun Jahre lang, als korrekter, oft grimmiger Polizist.
Auch abseits des Tatorts sammelt er in dieser Zeit Auszeichnungen:
- 2000: Deutscher Fernsehpreis als bester Schauspieler für “Warten ist der Tod”
- 2005: Adolf Grimme Preis für “Herzversagen”
- 2007: Erneut Grimme Preis, für “Arnies Welt”
- 2017: Bayerischer Filmpreis für “Vorwärts immer!”
- 2018: Deutscher Schauspielerpreis, beste komödiantische Rolle, ebenfalls für “Vorwärts immer!”
In den Jahren danach zeigt sich seine Bandbreite in Produktionen wie “Der Staat gegen Fritz Bauer” (2015), der ZDF Miniserie “Bad Banks” (2018) und Florian Henckel von Donnersmarcks oscarnominiertem Drama “Werk ohne Autor” (2018).
Aktuell im Programm: Thriller, Serie und ein Roman von Juli Zeh
Auch mit 64 Jahren steht Jörg Schüttauf weiterhin regelmäßig vor der Kamera. Am 9. März 2026 lief im ZDF der Thriller “Im Schatten der Angst, Der Skorpion”, in dem er den forensischen Psychiater Paul Kressmann spielt. Der Film ist weiterhin über Joyn im Livestream abrufbar.
Nur wenige Tage später, am 17. März 2026, startet die neue ZDF Serie “Hohenfelden”, die auf Drehbüchern von Bestsellerautorin Juli Zeh basiert. Dazu kommt ein Auftritt in der ZDFneo Serie “My Ex” mit Palina Rojinski.
Aus den beiden Jahren davor stammen weitere Produktionen:
- Ein ganz großes Ding (ZDF, 2025)
- Erzgebirgskrimi: Über die Grenze (2025)
- Feste Feiern (2025)
- Eine Gastrolle in Staffel 15 von SOKO Leipzig
Nach einer Traumrolle gefragt, sagt Schüttauf, er habe im Laufe seiner Karriere bereits alles spielen dürfen, wonach sich ein Schauspielerherz sehnt.
Ein Zuhause bei Potsdam statt Rampenlicht
Privat hält sich Schüttauf zurück. Bekannt ist, dass er mit seiner Frau Martina in einem kleinen Ort nahe Potsdam lebt. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter namens Anna. Öffentliche Auftritte abseits von Dreharbeiten und Premieren sind selten, Interviews eher kurz und sachlich.
Vier Jahrzehnte, ein Name, der bleibt
Von der Pioniertheater Bühne in Chemnitz bis zum forensischen Psychiater im ZDF Thriller: Jörg Schüttauf hat in vierzig Jahren fast jede Rolle gespielt, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Gerade weil er sich dabei nie in den Vordergrund drängt, bleibt sein Name mit jeder neuen Produktion präsent, auch 2026.

