Er wuchs im Schatten eines der bekanntesten ÖVP-Politiker Österreichs auf, stand jahrelang als Model vor Kameralinsen und entschied sich dann für Pinsel und Atelier. Heute hängen Julian Khols Arbeiten im MAK Wien und auf der Art Basel. Wer ist dieser Mann wirklich?
Julian Khol ist in Wien aufgewachsen, Sohn eines der einflussreichsten österreichischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte. Sein Vater Andreas Khol war ÖVP-Nationalratspräsident. Der Sohn wurde Model. Und dann, mit Mitte zwanzig, Maler. Dieser Weg klingt unwahrscheinlich, aber er erklärt eine ganze Menge darüber, wer Julian Khol heute ist.
Am 4. Dezember 1979 in Wien geboren, begann Khol seine öffentliche Karriere nicht im Atelier, sondern auf dem Laufsteg. Um das Jahr 2000 arbeitete er als Model für internationale Modehäuser. Sein Gesicht war bekannt, sein Name an die Familie geknüpft. Beides nutzte er nicht weiter aus. Schon 1998 hatte er erste Porträt- und Kunstworkshops in Wien und München besucht, aber das war noch kein Plan, das war Neugier.
Wien, dann Düsseldorf
2004 schrieb er sich an der Universität für Angewandte Kunst Wien ein, in der Klasse von Christian Ludwig Attersee, einem der prägendsten österreichischen Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fünf Jahre später wechselte Khol an die Kunstakademie Düsseldorf, in die Klasse von Herbert Brandl, einem der bedeutendsten österreichischen Gegenwartsmaler.
„Sein expressiver Strich und sein direkter, reduzierter Farbauftrag gaben Anlass zu Verweisen der New Yorker Malerei der 1950er Jahre.”
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2011 schloss er in Düsseldorf als Meisterschüler Brandls ab. Das ist der höchste Abschluss, den eine deutsche Kunstakademie vergibt. Er zeigte seine Diplomarbeit in Düsseldorf, Wien, Salzburg, Graz und München. Nicht schlecht für einen Anfang.
Was seine Malerei ausmacht
Khols Gemälde sind groß, oft mehrere Meter breit. Er braucht für ein Bild in der Regel nicht länger als ein bis zwei Stunden. Was nach Schnelligkeit klingt, ist in Wirklichkeit Konsequenz: Ein Strich sitzt, oder er sitzt nicht. Überarbeitung ist nicht sein Prinzip.
Die Einflüsse sind klar benannt: der abstrakte Expressionismus der amerikanischen Nachkriegszeit, besonders Willem de Kooning, und der deutsche Frühexpressionismus der Künstlergruppe Die Brücke, etwa Ernst Ludwig Kirchner. Inhaltlich kehrt er zu bestimmten Motiven zurück: Körperstudien, Tiere, Masken, die Gesichtsbemalung indigener Völker Papua-Neuguineas und Elemente des japanischen Theaters wie Kabuki und Bunraku. Österreichische Landschaften tauchen ebenfalls auf.
Neben der Malerei entstehen Skulpturen: vergoldete Kupferlinien, die aus einem Betongusssockel wachsen. Sie sehen aus wie eingefrorene Gesten, wie der letzte Moment einer Bewegung kurz vor dem Stillstand.
Steckbrief: Julian Khol
| Geboren | 4. Dezember 1979, Wien |
| Studium | Univ. f. Angewandte Kunst Wien (Klasse Attersee); Kunstakademie Düsseldorf (Klasse Brandl); Meisterschüler-Abschluss 2011 |
| Lebt und arbeitet | Wien und Köln |
| Galerie | Reinisch Contemporary Graz / Salzburg; zuvor Galerie Kandlhofer Wien |
| Auktionsrekord | ca. 21.000 USD, Dorotheum Wien, 2021 |
| Kinder | Lounis (* Oktober 2014), Ilyas Noah (* 2016) |
Von Wien bis Miami: die Ausstellungen
Seine erste Soloschau zeigte Khol 2013 bei der Galerie Breckner in Düsseldorf. 2017 folgte eine Duo-Ausstellung mit seinem Lehrer Herbert Brandl im Museum Glaspalast Augsburg, die ihm erstmals nennenswerte Aufmerksamkeit über Österreich hinaus brachte.
2019 verdichtete sich sein internationales Profil: Galerie Kandlhofer Wien zeigte Memories of a Broken Heart, seine erste Ausstellung mit Ölgemälden und Skulpturen gemeinsam. Parallel entstand eine Dauerinstallation im Palazzo Heureka in Venedig. Und zur Art Basel Miami installierte er auf dem Hoteldach des AC Hotels in South Beach das Werk The Closer We Get.
2024 war er Teil einer Gruppenausstellung im MAK Museum für Angewandte Kunst Wien, dem ältesten Kunstgewerbemuseum der Welt. 2025 zeigte Reinisch Contemporary Graz seine Soloschau Bei Sonnenaufgang. Endgegner, in der Skulptur, Malerei und Papierarbeiten zusammenkamen.
Ausgewählte Ausstellungen im Überblick
| Jahr | Ausstellung / Ereignis |
|---|---|
| 2013 | Solo, Galerie Breckner, Düsseldorf |
| 2017 | Duo mit Herbert Brandl, Museum Glaspalast, Augsburg |
| 2019 | Memories of a Broken Heart, Galerie Kandlhofer, Wien / Rooftop-Installation, Art Basel Miami Beach / Dauerinstallation Necessary Excuses, Palazzo Heureka, Venedig |
| 2021 | Auktionsrekord Dorotheum Wien (ca. 21.000 USD) / Dauerinstallation Skulpturengarten, Wien |
| 2023 | Solo Circumflex, Hotel Altstadt, Wien |
| 2024 | Gruppenausstellung MAK Museum für Angewandte Kunst, Wien / Parallel Vienna / Parallel Skulpturenpark, Gmunden |
| 2025 | Solo Bei Sonnenaufgang. Endgegner, Reinisch Contemporary, Graz / Gruppenausstellungen Reinisch Contemporary Salzburg, Galerie Lössl 422 Gmunden |
Nazan Eckes, zwei Söhne, eine stille Trennung
Im Juni 2012 heiratete Julian Khol die deutsche RTL-Moderatorin Nazan Eckes. Im deutschsprachigen Medienraum galten sie als eines der prominenteren Paare. Zwei Söhne folgten: Lounis, geboren am 3. Oktober 2014, und Ilyas Noah, geboren 2016.
Im Oktober 2022 wurde öffentlich bekannt, dass die Trennung bereits rund zwei Jahre zuvor stattgefunden hatte. Kein öffentliches Zerwürfnis, keine Schlagzeilen über Streit. Beide betonen seither, die gemeinsame Elternschaft in den Vordergrund zu stellen.
Wo Julian Khol heute steht
Julian Khol macht wenig Lärm um seine eigene Person. Er gibt selten Interviews, tritt kaum öffentlich auf und arbeitet nach eigenen Angaben schnell und ohne viel Aufhebens. Ö1, der Kultursender des ORF, widmete ihm 2021 eine eigene Sendung. Das MAK Wien und internationale Messen wie die Art Basel zeigen, dass seine Kunst längst für sich selbst spricht.
Sein Vater hat die österreichische Politik mitgeprägt. Julian Khol hat sich seinen Namen in der österreichischen Kunstgeschichte selbst erarbeitet, und zwar mit dem Pinsel in der Hand.

