Einleitung
Uschi Obermaier gehört zu den bekanntesten deutschen Figuren der Gegenkultur der späten 1960er Jahre. Die Münchnerin wurde durch ihre Modelarbeit bekannt, geriet dann in den Orbit der Berliner Studentenbewegung und war zeitweise eine der meistfotografierten Persönlichkeiten Westdeutschlands. Ihre Präsenz in der Presse beruhte weniger auf politischem Engagement als auf ihrer Verbindung zu Rainer Langhans und der Kommune 1 sowie auf einer Reihe dokumentierter Beziehungen zu internationalen Musikern.
Ihr Leben verlief über mehrere klar abgrenzbare Phasen: Modell, Kommunardin, Weltreisende, Schmuckdesignerin. Jede dieser Phasen wurde von der deutschen und internationalen Presse unterschiedlich bewertet und interpretiert. Was bleibt, ist ein gut dokumentierter Lebenslauf, der sich quer durch die zentralen kulturellen Debatten der Bundesrepublik der Nachkriegszeit zieht.
Schnelle Informationstabelle
| Kategorie | Information |
|---|---|
| Vollständiger Name | Ursula Obermaier |
| Bekannt als | Uschi Obermaier |
| Geboren | 24. September 1946 |
| Geburtsort | Sendling, München, Deutschland |
| Staatsangehörigkeit | Deutsch, Amerikanisch |
| Beruf | Modell, Schauspielerin, Schmuckdesignerin |
| Aktive Jahre | 1965 bis 1980er Jahre |
| Bekannte Magazine | Twen, Zusammenarbeit mit Helmut Newton |
| Kommune | Kommune 1, Berlin (ab Ende 1968) |
| Beziehungen | Rainer Langhans, Dieter Bockhorn |
| Bekannte Verbindungen | Jimi Hendrix, Mick Jagger, Keith Richards |
| Autobiografie | High Times, Mein wildes Leben (2007) |
| Verfilmung | Das wilde Leben (2007), Regie: Achim Bornhak |
| Aktueller Wohnort | Algarve, Portugal |
Herkunft und Werdegang
Ursula Obermaier wurde am 24. September 1946 im Münchner Stadtteil Sendling geboren. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf und begann nach der Schule eine Ausbildung zur Fotorestauratorin. Diese brach sie ab, bevor sie abgeschlossen war. Anschließend wechselte sie in die Modewelt, zunächst ohne nennenswerte öffentliche Aufmerksamkeit.
Über ihre persönlichen Umstände in dieser frühen Phase ist wenig dokumentiert. Ihr Einstieg in die professionelle Fotografie erfolgte über Kontakte zur deutschen Modepresse der mittleren 1960er Jahre. Der Übergang vom Handwerk zur Kamera verlief schrittweise und ohne größeres mediales Aufsehen.
Karriere als Modell
Der entscheidende Schritt in ihrer Karriere war ein Fotoshooting mit dem Fotografen Guido Mangold, das im April 1968 in Kamerun stattfand. Die Aufnahmen erschienen in der deutschen Jugendzeitschrift Twen und verschafften ihr überregionale Bekanntheit. Twen galt damals als eines der stilprägenden Magazine der Bundesrepublik für junge Zielgruppen, bekannt für sachliche Bildsprache und gesellschaftskritische Themen.
Im Juni 1969 erschien Obermaier auf dem Titelbild von Twen in vollständiger Frontaldarstellung, als erstes Modell auf einem deutschen Magazincover in dieser Form. Das Cover wurde in der zeitgenössischen Presse vielfach kommentiert und gilt heute als ein Dokument des medialen Wandels jener Jahre. Sie arbeitete in dieser Zeit auch mit dem international bekannten Fotografen Helmut Newton zusammen, der zu den gefragtesten Modefotografen seiner Generation zählte.
Kommune 1 und die Studentenbewegung
Die Kommune 1 wurde 1967 in Berlin gegründet und gilt laut der Bundeszentrale für politische Bildung als erste politisch ausgerichtete Wohngemeinschaft der Bundesrepublik. Ihre Mitglieder, darunter Rainer Langhans und Fritz Teufel, setzten auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Bekannt wurde die Gruppe unter anderem durch den geplanten Anschlag mit Lebensmitteln auf den amerikanischen Vizepräsidenten Hubert Humphrey im April 1967, der vom Geheimdienst verhindert wurde. Die Aktion machte die Mitglieder der Kommune schlagartig zu einer festen Größe in der westdeutschen Presselandschaft.
Obermaier zog Ende 1968 nach Berlin und lebte mit Langhans in der Kommune. Sie selbst äußerte später in Interviews, dass ihr politisches Interesse gering gewesen sei und die Beziehung zu Langhans der eigentliche Grund für den Umzug war. Dennoch erschienen Fotos von ihr regelmäßig in der Tagespresse im Kontext der Studentenbewegung. Diese mediale Präsenz prägte ihre öffentliche Wahrnehmung dauerhaft, unabhängig von ihrem tatsächlichen politischen Engagement.
Öffentliche Beziehungen und Medienaufmerksamkeit
Obermaier und Langhans sprachen in Interviews offen über ihre Beziehungsform, die auf gegenseitiger Offenheit beruhte. Diese Offenheit fand in der deutschen Presse breite Resonanz. Zeitgenössische Kommentatoren verglichen ihre Medienpräsenz mit jener von John Lennon und Yoko Ono, wobei der Vergleich weniger inhaltlicher als medialer Natur war. Beide Paare nutzten Presseauftritte gezielt, um persönliche Haltungen öffentlich zu kommunizieren.
Jimi Hendrix besuchte während seines Berlin-Aufenthalts die Kommune 1. Eine Begegnung zwischen Hendrix und Obermaier ist im Dokumentarfilm Last Experience festgehalten, in dem die beiden vor dem Hotel Kempinski zu sehen sind. Über die genaue Natur ihrer Verbindung machte Obermaier selbst nur knappe Angaben. Der Kontakt zu Hendrix wurde in späteren Medienberichten häufig aufgegriffen, ohne dass weitergehende Quellen vorliegen.
Verbindung zu den Rolling Stones
1975 begleitete Obermaier die Rolling Stones auf ihrer nordamerikanischen Tournee. In späteren Interviews bestätigte sie Beziehungen zu Mick Jagger und Keith Richards während dieser Tour. Zu Richards äußerte sie sich in einem vielzitierten Interview mit dem Satz, er sei der bessere Liebhaber gewesen. Berichten zufolge erwog Richards zeitweise, seine damalige Lebensgefährtin Anita Pallenberg für Obermaier zu verlassen. Belegt ist dies durch journalistische Berichte der Zeit sowie durch Obermaiers eigene Schilderungen in ihrer Autobiografie.
Die Tourneebegleitung und die anschließenden Berichte in der deutschen und internationalen Presse verstärkten ihre Bekanntheit außerhalb des deutschsprachigen Raums. Ihre Verbindung zu den Rolling Stones wurde in späteren biografischen Darstellungen zu einem festen Bestandteil ihrer öffentlichen Biografie, auch wenn sie selbst diesen Abschnitt stets in einen größeren Lebenskontext einordnete.
Reisen und spätere Jahre
1973 begann Obermaier eine Beziehung mit Dieter Bockhorn, dem Betreiber eines Clubs auf der Hamburger Reeperbahn. Die beiden unternahmen ab Mitte der 1970er Jahre ausgedehnte Reisen in einem umgebauten Bus, zunächst durch Asien, später durch Mexiko und die Vereinigten Staaten. Sie heirateten in Indien. Obermaier dementierte später Berichte, wonach das Paar in jedem bereisten Land eine Trauungszeremonie abgehalten habe. Die Reisen dauerten insgesamt rund sechs Jahre und führten durch mehrere Kontinente.
Dieter Bockhorn starb am 31. Dezember 1983 bei einem Motorradunfall in Mexiko. Danach zog sich Obermaier aus dem öffentlichen Leben zurück. Sie ließ sich in Topanga Canyon bei Los Angeles nieder, erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Schmuckdesignerin. Nach eigenen Angaben empfing sie dort kaum Besucher und mied öffentliche Auftritte weitgehend.
Buch, Film und Gegenwart
2007 veröffentlichte Obermaier gemeinsam mit dem Autor Olaf Kraemer die Autobiografie High Times, Mein wildes Leben. Das Buch erreichte Platz drei der deutschen Bestsellerliste und hielt sich dort fünf Monate. Noch im selben Jahr wurde die Vorlage unter dem Titel Das wilde Leben verfilmt. Regie führte Achim Bornhak, Natalia Avelon spielte die Hauptrolle. Der Film lief im Februar 2007 an, wurde von PG 16 auf PG 12 umgestuft und erreichte Platz zehn der deutschen Kinocharts. Die Bewertungsplattform Metacritic vergab 32 von 100 möglichen Punkten, basierend auf zehn Kritiken.
Heute lebt Obermaier an der Algarve in Portugal. Öffentliche Auftritte sind selten. Zuletzt war sie im Juli 2024 beim Empfang der Filmförderungsanstalt Bayern im Rahmen des Münchner Filmfests zu sehen. In der deutschen Zeitgeschichtsschreibung wird sie weiterhin im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Studentenbewegung von 1968 und der Mediengeschichte der frühen Bundesrepublik behandelt. Ihre Biografie dokumentiert einen Lebensweg, der sich durch mehrere prägende Kapitel der westdeutschen Nachkriegskultur zieht, ohne sich auf eines davon reduzieren zu lassen.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist Uschi Obermaier? Ursula Obermaier, geboren am 24. September 1946 in München, ist eine ehemalige deutsche Fotomodell und Schauspielerin. Sie wurde bekannt durch ihre Arbeit für die Zeitschrift Twen und ihre Zugehörigkeit zur Berliner Kommune 1 Ende der 1960er Jahre.
Womit wird Uschi Obermaier heute verbunden? In der deutschen Öffentlichkeit wird sie vor allem mit der Studentenbewegung der späten 1960er Jahre, der Kommune 1 und ihrer Beziehung zu Rainer Langhans assoziiert, sowie mit dokumentierten Verbindungen zu Musikern wie Jimi Hendrix, Mick Jagger und Keith Richards.
Was macht Uschi Obermaier heute? Sie lebt in Portugal und trat zuletzt vereinzelt bei kulturellen Veranstaltungen in Deutschland in Erscheinung, darunter beim Münchner Filmfest 2024.
Welcher Film handelt von ihr? Der Spielfilm Das wilde Leben aus dem Jahr 2007, Regie Achim Bornhak, basiert auf ihrer Autobiografie. Die Hauptrolle übernahm Natalia Avelon. Der Film erreichte Platz zehn der deutschen Kinocharts.
Stimmten die Berichte über ihre Rolling-Stones-Zeit? Obermaier bestätigte in ihrer Autobiografie und in Interviews Beziehungen zu Mick Jagger und Keith Richards während der Nordamerika-Tournee der Rolling Stones 1975.

