Am 24. Juni 2025 war der Palma Flughafen Decke eingestürzt — im Gepäckbereich des Airports Son Sant Joan. Niemand wurde verletzt. Was danach kam, war keine Aufarbeitung. Es war der nächste Einsturz.
Um 16:30 Uhr am 24. Juni 2025 gab es im Gepäckabholbereich des Flughafens Palma de Mallorca einen lauten Knall. Bauschutt, der auf der Baustelle oben lag, hatte ein Oberlicht durchschlagen und die Glasdecke darunter mitgerissen. Eine Staubwolke zog durch den Ankunftsbereich. Passagiere standen keine zwei Meter entfernt. Verletzt wurde niemand. Flughafenmitarbeiter sprachen von einem „Wunder”.
Das Wunder hätte sich ankündigen lassen. Drei Monate zuvor hatten Gewerkschaften auf der Baustelle demonstriert und öffentlich vor genau diesem Szenario gewarnt. Und es war bereits der zweite Einsturz in diesem Jahr.
Drei Vorfälle in neun Monaten
- Feb. 2025 Sicherheitskontrolle, Hauptterminal Ein Teil der Decke im Bereich der Sicherheitskontrollen stürzt ein. Der Vorfall wird nicht öffentlich kommuniziert.
- 24. Juni 2025 Gepäckbereich, Ankunftshalle Bauschutt durchschlägt ein Oberlicht, die Glasdecke bricht zusammen. Staubwolke, beschädigte Automaten, keine Verletzten. 24 Stunden später laufen Passagiere wieder unter der beschädigten Konstruktion hindurch.
- Sept. 2025 Baustellenabschnitt, für Passagiere gesperrt Eine Mauer stürzt aus mehreren Metern Höhe auf ein Fertigbaumodul. Keine Verletzten. AENA stoppt die Arbeiten im betroffenen Bereich und eröffnet ein Sanktionsverfahren gegen das verantwortliche Unternehmen.
Was AENA nach dem Juni-Einsturz erklärte
Eine Woche nach dem Vorfall präsentierte AENA einen Schuldigen: einen Mitarbeiter eines Subunternehmens. Laut Bauleiter Toni Rosselló hatte der Mann eine Wandöffnung genutzt, die ausschließlich für den Glastransport vorgesehen war. Er fuhr stattdessen mit einer Hebemaschine hindurch. Zwei Reihen Ziegel lösten sich, das Oberlicht darunter hielt nicht stand.
Offizielle Position von AENA
Bauleiter Rosselló sprach von „unangemessenem Verhalten”. Der Arbeiter habe „auf eigene Gefahr” gehandelt und alle Regeln ignoriert, weil ihm der Weg praktischer erschien. AENA eröffnete ein Sanktionsverfahren gegen das Subunternehmen. Öffentliche Ergebnisse der angekündigten Untersuchung wurden nicht bekannt gegeben.
Was diese Erklärung nicht beantwortet: Der Einsturz im Februar 2025 im Bereich der Sicherheitskontrolle lief nach demselben Muster ab. Sanktionsverfahren, Untersuchung, dann Stille. Und im September 2025 wiederholte sich das Muster ein drittes Mal.
Die Warnung, die ignoriert wurde
Im April 2025, zwei Monate vor dem Palma Flughafen Deckeneinsturz, demonstrierten rund 30 Mitarbeiter des Airports vor dem Abflugbereich. Die Gewerkschaft CCOO nannte die Zustände auf der Baustelle „extrem gefährlich” und wurde dabei konkret:
- Ungesicherte Löcher im Boden von bis zu sechs Metern Tiefe
- Deckenteile, die während des laufenden Betriebs herabfielen
- Staub- und Rauchentwicklung, die die Atemwege der Mitarbeiter belastete
- Lärmpegel, die sicheres Arbeiten kaum noch zuließen
„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Unfall passiert.”CCOO Balearen, April 2025 — zwei Monate vor dem Einsturz
Im selben Monat schrieb der balearische Wirtschafts- und Mobilitätsminister Alejandro Sáenz de San Pedro direkt an das Verkehrsministerium in Madrid. Inhalt: Gewerkschaften hätten ihn über fehlende Koordination, mangelhafte Planung und unzureichenden Informationsaustausch auf der Baustelle informiert. Er mahnte Maßnahmen an.
Tatsächlich gab es den Brief. Den Einsturz dann auch.
Was am Flughafen Son Sant Joan gebaut wird
Son Sant Joan ist der drittgrößte Flughafen Spaniens. 2025 wurden 33,8 Millionen Passagiere abgefertigt. Der laufende Umbau ist der größte seit dem Bau des Terminals im Jahr 1997 und wird von AENA gemeinsam mit dem Baukonzern Acciona durchgeführt.
560 Mio. Euro Gesamtinvestition, AENA und Acciona
33,8 Mio. Passagiere 2025 am Flughafen Palma
Ende 2026 Geplanter Abschluss der Bauarbeiten
Entstehen soll ein neuer Sicherheitskontrollbereich im Erdgeschoss mit 44 Kontrollstellen auf 220 mal 70 Metern, nach AENA-Angaben der größte Scannerbereich an einem europäischen Flughafen. Dazu kommen neue Boarding-Gates in den Modulen A und D sowie eine erweiterte Busanbindung. Der gesamte Umbau findet bei laufendem Betrieb statt, mit bis zu 150.000 Passagieren täglich.
Wo die Dinge nach dem Palma Flughafen Deckeneinsturz heute stehen
Anfang 2026 gibt AENA an, rund 70 Prozent der Arbeiten abgeschlossen zu haben. Neue Scanner ermöglichen es, Laptops und Flüssigkeiten im Handgepäck zu belassen. Parkhaus und Busverbindungen sind erweitert. Für Reisende ist von der Baustelle inzwischen wenig zu sehen.
Bis Ende 2026 soll alles fertig sein. Seit dem Deckeneinsturz am Palma Flughafen hat AENA keine öffentliche Dokumentation zur verbesserten Baustellenkontrolle vorgelegt.
Einschätzung
Ein Arbeiter hat eine falsche Öffnung benutzt. Das ist die Erklärung, die nach dem Palma Flughafen Deckeneinsturz vom Juni 2025 offiziell blieb. Sie erklärt den einen Vorfall. Allerdings beantwortet sie nicht, warum im Februar bereits eine Decke gefallen war. Auch bleibt offen, warum Gewerkschaften im April öffentlich vor dem nächsten Einsturz gewarnt hatten. Sie erklärt nicht, warum ein Minister einen Brief nach Madrid schickte, ohne dass sich danach erkennbar etwas änderte. Und sie erklärt nicht, warum im September die nächste Mauer fiel. Insgesamt drei Einstürze auf einer Baustelle in neun Monaten, mitten in einem der meistfrequentierten Terminals Europas. Das ist dennoch kein Pech. Das ist ein Organisationsproblem.

