Stromberg Kino bezeichnet die zwei Kinofilme zur deutschen Mockumentary-Serie Stromberg, die von 2004 bis 2012 auf ProSieben lief und von Ralf Husmann geschrieben sowie von Brainpool produziert wurde. Der erste Film, Stromberg – Der Film, erschien am 20. Februar 2014 und wurde als erster europäischer Kinofilm maßgeblich über ein Crowdfunding-Modell mit Gewinnbeteiligung finanziert. Der zweite Film, Stromberg: Wieder alles wie immer, kam am 4. Dezember 2025 in die deutschen Kinos.
| Kategorie | Details |
|---|---|
| TV-Serie | 5 Staffeln, 46 Folgen (11. Oktober 2004 – 31. Januar 2012) |
| Sender | ProSieben |
| Produzent | Brainpool TV (Serie & 1. Film), MadeFor Film (2. Film) |
| Autor & Produzent (Filme) | Ralf Husmann |
| Regie (beide Filme) | Arne Feldhusen |
| Hauptdarsteller | Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg |
| 1. Kinofilm | Stromberg – Der Film, Kinostart 20. Februar 2014 |
| 2. Kinofilm | Stromberg: Wieder alles wie immer, Kinostart 4. Dezember 2025 |
| Streaming (2. Film) | Amazon Prime Video & ProSieben ab Anfang 2026 |
Die Serie: Büro-Mockumentary mit BBC-Rechtsstreit
Ralf Husmann orientierte sich bei der Entwicklung der Serie an der britischen Vorlage The Office von Ricky Gervais und Stephen Merchant. ProSieben bestritt das zunächst und behauptete, die Figur stamme aus einem eigenen Format. Erst als die BBC rechtliche Schritte androhte, kam der offizielle „Inspired by“-Credit für Gervais und Merchant.
Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst hat die britische Originalserie bewusst nie gesehen. „Das ist eine ganz eigene, sehr deutsche Figur“, sagte er dem Hollywood Reporter. „Keine Übersetzung des britischen Originals.“ Inhaltlich zeigt sich das: Wo The Office auf soziale Peinlichkeiten setzte, eskalierte Stromberg in Richtung Dunkel. Selbstmordversuche, Herzinfarkte, brutale Büro-Machtspiele.
„Von Anfang an war das eine Serie, die nur überlebt hat, weil die Fans sich geweigert haben, sie sterben zu lassen.“
Ralf Husmann, Autor und Produzent, gegenüber dem Hollywood Reporter
Fünf Staffeln, 46 Folgen, Auszeichnungen wie der Deutscher Fernsehpreis und der Grimme-Preis. Die Einschaltquoten zur Sendezeit waren nie besonders stark. Die Serie hielt sich über DVDs, später über YouTube und schließlich Netflix am Leben. Der Kult wuchs ohne Sendeplatz, ohne Marketingdruck.
Der erste Stromberg Kino Film (2014): Crowdfunding als Geschäftsmodell
Im Dezember 2011 startete Husmann über eine Onlineplattform eine Investoren-Kampagne für den Kinofilm. Kein Spendenmodell, sondern echte Gewinnbeteiligung. Gegenüber dem Hollywood Reporter formulierte er es so: „Ich wollte nicht mit dem Hut in der Hand betteln. Ich wollte das Geschäftsargument machen, die Leute in den Film investieren lassen.“ Innerhalb einer Woche kamen von 3.000 Unterstützern eine Million Euro zusammen, bei Gesamtproduktionskosten von 3,3 Millionen Euro.
3,3 Mio. Euro Produktionskosten
10,5 Mio. Euro Einspielergebnis
1,3 Mio. Kinobesucher bis Ende 2014
Die Dreharbeiten liefen von Februar bis April 2013 in Köln; die Hotelszenen entstanden im Dorint Hotel & Sportresort Arnsberg/Sauerland. Premiere war am 18. Februar 2014 im Cinedom Köln, Kinostart am 20. Februar. Ab Mitte März 2014 lief der Film in den Gewinn. Brainpool zahlte den Investoren 50 Cent je verkaufter Kinokarte aus. Die Gesamtausschüttung betrug 1,17 Millionen Euro, was einer Rendite von knapp 17 Prozent entspricht.
Zum Inhalt: Die CAPITOL-Versicherung feiert ihr 50-jähriges Jubiläum in einem Landhotel. Das Mockumentary-Format bleibt vollständig erhalten, Figuren sprechen direkt in die Kamera, das unsichtbare Filmteam existiert innerhalb des Films. Am Ende landet Stromberg in der Politik. Er wird im Willy-Brandt-Haus in Berlin von Frank-Walter Steinmeier als neues SPD-Mitglied empfangen und kommentiert: Er sei jetzt „ganz oben“.
2025: Warum Stromberg nach elf Jahren wieder ins Kino kam
Nach dem ersten Film hatten Husmann und Regisseur Arne Feldhusen die Figur für abgeschlossen erklärt. Was die Entscheidung kippte, war eine Vorführung beim Cologne Comedy Festival nach dem Lockdown: Der erste Film lief erneut im Kino, und laut Husmann saßen plötzlich 18-Jährige im Saal und rezitierten ganze Stromberg-Dialoge auswendig. Eine Generation, die die Originalserie nie im Fernsehen gesehen hatte.
Stromberg: Wieder alles wie immer startete am 4. Dezember 2025, läuft 100 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Regie wieder Feldhusen, Drehbuch wieder Husmann. Seit Anfang 2026 ist der Film auf Amazon Prime Video und bei ProSieben verfügbar.
Zum Inhalt: Viele Jahre nach der CAPITOL-Dokusoap ist um Bernd Stromberg ein Kult entstanden. Fans verkleiden sich, ahmen ihn nach, zitieren seine Sprüche. Eine Fernsehproduktionsfirma lädt die alte Belegschaft zu einer Talkshow-Reunion ein. Was als nostalgisches Treffen beginnt, kippt schnell in alte Verletzungen und ungelöste Konflikte.
| Figur | Darsteller | Status im zweiten Film |
|---|---|---|
| Bernd Stromberg | Christoph Maria Herbst | Karriere außerhalb der Versicherung |
| Berthold „Ernie“ Heisterkamp | Bjarne Mädel | Autor eines Anti-Mobbing-Ratgebers |
| Tanja Steinke | Diana Staehly | Noch bei CAPITOL tätig |
| Ulf Steinke | Oliver Wnuk | Noch bei CAPITOL tätig |
| Jennifer Schirrmann | Milena Dreißig | Hat das Unternehmen verlassen |
Kritiken zu „Wieder alles wie immer“ — was sagen Filmkritiker?
Was funktioniert
- Herbst spielt, als wäre er nie weg gewesen
- Erste Hälfte auf Serienniveau, dunkler Humor unverändert
- Kein geläuterter Stromberg, die Figur bleibt konsequent
- Meta-Ansatz: der Film reflektiert, was die Figur gesellschaftlich bedeutet
Was schwächelt
- Zweite Hälfte verliert Struktur und Tempo
- TV-Studio ersetzt das Büro nicht gleichwertig
- Weniger einprägsame Einzelszenen als im Vorgänger
- Handlung wirkt an Stellen konstruiert
Chronologie: Von der ersten Folge bis zum zweiten Stromberg Kino Film
- 2004 Serienstart auf ProSiebenStaffel 1: acht Folgen. BBC-Rechtsstreit wegen Nähe zu The Office. „Inspired by“-Credit für Gervais und Merchant.
- 2011 Crowdfunding-Kampagne für den Kinofilm1 Million Euro von 3.000 Investoren in einer Woche. Gesamtbudget: 3,3 Millionen Euro.
- 2012 Ende der FernsehserieStaffel 5, Folge 46. Letzte Ausstrahlung: 31. Januar 2012.
- 2013 Dreharbeiten zum ersten KinofilmFebruar bis April in Köln und im Dorint Hotel Arnsberg/Sauerland.
- 2014 Kinostart: Stromberg – Der FilmPremiere 18. Februar im Cinedom Köln. 1,3 Millionen Besucher. Ca. 10,5 Mio. Euro Einspielergebnis. Investoren-Rendite: rund 17 %.
- 2025 Kinostart: Stromberg – Wieder alles wie immer4. Dezember 2025. 100 Minuten. Ab Anfang 2026 auf Amazon Prime Video und ProSieben.
Stromberg Kino ist eines der wenigen deutschen Unterhaltungsformate, das sich seinen Platz nicht über Einschaltquoten gesichert hat, sondern gegen sie. Die Serie lief nie auf starken Sendeplätzen. Der erste Kinofilm wurde von Fans vorfinanziert. Den zweiten hat eine Generation eingefordert, die Bernd Stromberg zuerst auf YouTube entdeckt hat. Was die Figur trägt, ist keine Sympathie. Husmann hat ihr nie eine Erlösung geschrieben und Feldhusen ihr kein Herzchen hinter der rauen Schale gegönnt. Opportunismus siegt, Stromberg dreht sich mit der Welt weiter. Für das Kino, so zeigt sich nach zwei Filmen, reicht das.

